Wie passt Ihre unternehmerische Stabilität mit Ihren Werten zusammen?

Teil 2

Gerade diese Fülle schafft die Basis für Sicherheit und Stabilität, für den fünften Lebensbereich

Unser Emotionensystem räumt Stabilität und Balance einen großen Stellenwert ein. Auch wenn wir nur da sitzen und warten: stündlich, manchmal sogar minütlich ändert sich etwas um uns herum. Das ist unternehmerischer Alltag; eine Weile hätten wir es gerne beschaulich, nicht so viel Volatilität, keinen Stress: Halte doch mal an, Leben. Doch so spielt es nicht. Der Fluss bewegt sich weiter und ist niemals mehr derselbe:

Heraklit von Ephesus: „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben; wir sind es, und wir sind es nicht.“

Auch wenn dies ein Faktum ist, wir brauchen Freiheit im Kopf. Stabilität trägt dazu bei. Sicherheit hat viel mit freiem Rücken zu tun: wenn wir von loyalen Menschen, aufrichtig, anständig, klar und zuverlässig, umgeben sind, wenn wir deren Paktfähigkeit spüren, fühlen wir uns stabil und sicher. Dies ist auch ein Grund, warum Rechtssysteme diesen normativen Rahmen der Loyalität schaffen.

Diese Ruhe und Sicherheit brauchen wir auch, um ruhig schlafen zu können und sich dadurch unsere Energie wieder auftankt.

Unser limbisches System will aber nicht nur Ruhe, es braucht auch Anregung, Inspiration, Stimulation. Der sechste Lebensbereich, von mir mit „Hedonie/Freude/Lachen“ definiert, schafft diesen Ausgleich von „langweilig, aber stabil“ zu „aufregend, weil unbekannt“. Auch die sinnliche Begierde und die Sexualität spielen hier hinein. Mittlerweile haben Wissenschaft und teilweise auch Gesellschaft erkannt, wie wesentlich Freude, Vergnügen, Lust und Genuss die Leistungsfähigkeit ankurbeln. Ergebnisse wissenschaftlicher Studien oder lediglich praktizierte Verhaltensweise zeigen den Zusammenhang zwischen Frohsinn, Humor, ja sogar Lachen und gemeinsame Feste feiern – all das begünstigt den Lebenserfolg. Lachen macht den Kopf frei, Lachyoga ist eines von vielen probaten „Medikamenten zum Wohlbefinden“. Ich erinnere mich an Zeiten, als Topsportler monatelang kaserniert und von ihren Ehe- und Sexualpartner weggesperrt wurden, um sie auf ihre Leistungsfähigkeit zu trimmen. Heute weiß man, dass erotische Momente vor einem Sportereignis durchaus inspirierend und leistungssteigernd wirken.

Der siebente Lebensbereich spiegelt unsere ewige Sehnsucht nach „Freiheit/Friede/Menschheit“ wider. Wir reklamieren für unser menschliches Zusammenleben Freiheit und Frieden, wir wollen selbstbestimmt leben, wir kämpfen für die Meinungs- und Pressefreiheit und wünschen uns Frieden und Einvernehmen herbei. Doch wie oft brechen wir selbst unsere Einstellung?

Gegenpol zum Stabilitätsbereich ist als achter Lebensbereich das Stimulanzprinzip– es sichert den Fortschritt, die Weiterentwicklung, Kreativität, Neugier, Innovation. Wir toben uns in kreativen Spielen aus, lieben knifflige Fragen, haben „Abenteuer im Kopf“ und ergehen uns in Simulationen, Visualisierungen und Kopf-Szenarien. Alles schön und gut. Fortschritt ohne Innovation ist sinnlos. Innovation ohne Fortkommen auch.

Wie können wir Innovation im unternehmerischen Umfeld anregen? Wir müssen Individualität zulassen, dürfen uns nicht mehr mit dem Mittelmaß zufrieden geben. Der Spruch: „Maß aller Dinge“ heißt keinesfalls: „Mittelmaß wird zum Maß aller Dinge“.

Als „Sackgasse der Evolution“ bezeichnet der bekannte Genetiker Markus Hengstschläger den Durchschnitt. Er schwört auf die Kraft des Individualismus. Der Vielfältigere, der Kreativere wird zum „Maß aller Dinge“, zur Basis unseres Überlebens als Spezies und als Unternehmer.

Solange wir Menschen unser Gehirn zudröhnen, haben mir nicht den Kopf für den neunten Lebensbereich frei: „Sinn/Lebenszweck“. Doch jeden von uns trifft es irgendwann einmal: die Frage nach dem Wozu, nach meiner Lebensaufgabe. Diesem Lebensbereich Achtung zu schenken, macht sich auch für Unternehmer bezahlt. So manche Innovation oder tolle Erfindung gäbe es heute nicht –  ohne die Frage nach dem Lebenssinn und meinem Glauben. Wie immer man zu Themen wie Religion, Lebenssinn, Spiritualität, Glauben, kirchliche Ausrichtungen etc. stehen mag, die Beschäftigung mit dem Sinn der eigenen Existenz in einer stillen Stunde, im Wald, auf einer Parkbank,  bleibt nicht aus. Wenn es noch nicht passiert ist, freuen Sie sich darauf.

Diese Bereiche werden unterschiedlich ausgeprägt sein – und zwar in jedem Zeitpunkt Ihres Lebens.

Das kann einmal eine solche Ausprägung zeigen. 

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