Frauenpower und Power-Frauen

Gedanken zum Internationalen Frauen-Tag und zu anderen Nebengeräuschen

Auf Safari in Botswana: Wir fuhren mit einem 6 Meter langen Aluminiumboot in einem Seitenarm des Okavango-Deltas. In respektvollem Abstand von den Hippos. Denn – so wurde uns berichtet – die meisten Todesfälle würden von diesen zentnerschweren Allesfressern verursacht. Vorsicht geboten. Aber sind bedroht, diese Nilpferde! Und daher schützenswert. Deshalb fand am 15. Februar der internationale Tag des Flusspferdes statt. Weitere Beispiele gefälligst? Der Welt-Nashorn-Tag, der Welttag des Elefanten, der Welt-Löwen-Tag und sogar der Welt-Pinguin-Tag. Das sind Tage, welche die Aufmerksamkeit auf bedrohte Spezies lenken sollen. Auch Frauen als bedrohte Wesen?

Es gibt noch ein paar solcher Schmankerln und kuriose Festtage wie den internationalen Kiffer-Tag, den internationalen Tag der Blockflöte, den internationalen Knuddel-Tag und den Internationaler Tag der Jogginghose (International Sweatpantsday).

In einem solchen Ambiente über den Internationalen Frauentag am 8. März nachzudenken, fiel mir anfangs schwer. Denn wenn für Lächerlichkeiten, z.B. den Anti-Diät-Tag oder den Welttag der Feuchtgebiete (soll mich das an Charlotte Roche erinnern oder an National Geographic?) internationale Aktionstage ins Leben gerufen werden, dann befindet sich der Frauentag in einem verwässerten Umfeld.

Mein erster aktiver Frauentag

Dennoch erinnere ich mich mit Freuden an meinen ersten Frauentag vor 35 Jahren, den ich bewusst und auch kämpferisch feierte. Ich war damals für die Führung des Finanzdepartments verantwortlich – 150 Mitarbeiter*innen, darunter 8 Männer. Wir zelebrierten den 8. März, sehr zum Erstaunen meines Teams. Ich bin mir sicher, dass wir von den Männern der anderen Abteilungen belächelt wurden. Warum? Die erste Nachkriegs-Emanzipationswelle war im Abflachen, Frauen im Management waren eher die Ausnahme und nie ein Teil des Führungsteams. Damals prägte ich den Spruch: „Männer gehen aufs WC. Pinkeln nebeneinander, vergleichen den Schwanz des anderen, und danach startet ihre Karriere durch“. Verkumpelung hat ihren Ausgang auf der Herren-Toilette.

Welche Erkenntnisse liefert uns die moderne Gehirnforschung?

Gehirn

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Frauen sind nicht von Geburt an benachteiligt, aber die Sozialisation und das implantierte Rollenbild lässt sie in die Benachteiligung hineinwachsen. Es ist durch Studien nachgewiesen, insbesondere durch das neurowissenschaftliche Forschungsteam rund um die Israelin Daphna Joel (Tel-Aviv University), dass männliche und weibliche Gehirne nicht per se unterschiedlich sind.

Die Mär von „Männer sind vom Mars, Frauen sind von der Venus“ wurde damit demaskiert. Nur in den Köpfen sitzen aufgrund der Sozialisation (auf beiden Seiten) Rollenbilder und Denkstrukturen, welche das weibliche Verhalten prägen.

Manipulator Mutterinstinkt?


Frauen sind heute wesentlich besser ausgebildet und beruflich aktiv. Wenn sie – kurzfristig oder auch längere Zeit – aus dem Beruf aussteigen, um sich ihrer Mutterrolle zu widmen, dann passiert allerdings ein Einschnitt: Sind es die hormonelle Disposition, der zuschlagende Mutterinstinkt oder die Rollenerwartung, die das bisherige „Denkmuster“ mit dem Schild „Umleitung“ versehen?

Haben gut (aus-)gebildete Mütter vergessen, wie es für sie war? Ist es nicht Aufgabe, ihre Töchter (und Söhne) in der Persönlichkeitsentwicklung zu stärken und zu partizipativen und autarken Menschen zu entwickeln? Oder fühlen sich Mutter-Frauen plötzlich so wohl und auch (auf den Beruf bezogen) „faul“ und nicht mehr so ambitioniert, die Emanzipation ihres vormütterlichen Daseins auch auf ihre Kinder auszuweiten?

Ich höre schon: jetzt sind wir Frauen, sobald Mütter, daran schuld, dass unsere Töchter weiblich-sozialisiert sind! Ja, das stimmt. Wir verhalten uns ja nicht neutral. Und oft gelingt es uns auch gar nicht. Ich schließe mich dabei durchaus ein. Meine Tochter wurde von mir mit der Überzeugung erzogen, dass Mädchen genauso wie Jungs etwas Besonderes sind. Dass allen der Weg offen ist. Und ich ärgerte mich maßlos über die Schulbücher, welche die Mutter am Bügelbrett und in der Küche abbildeten und den Vater, wie er erschöpft am Abend heimkommt und sein Essen verlangt. Gott, war mir das zuwider. Ich erklärte meiner Tochter eine andere Sicht der Welt. Ihr Vater teilte meine Ansicht.

Doch dann, eines Tages, hörte ich aus dem Kinderzimmer eine merkwürdige Konversation. Meine Tochter ließ ihre Puppen sprechen. Barbie (mit meiner Tochter Stimme): „Nein Kira, ich bin viel schöner, ich werde Ken heiraten. Nicht Du.“ Mich traf der Schlag: meine Bemühungen, meine Kids genderneutral zu erziehen, schienen kläglich gescheitert. Wer meine Tochter kennt, weiß, wie zielstrebig und tough sie wurde. Aber der Schock saß damals tief.

Bei der Erziehung können sich Väter nicht ausschließen. Bedarf es dazu wirklich familienrechtlicher Regelungen?

Die Familie legt das Fundament für Wirtschaft und Gesellschaft


In der Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges getan. Der Zusammenbruch des „Deutschen Reiches“, die Absenz der Männer (im Krieg gefallen, vermisst, versehrt und/oder über längere Zeit in Kriegsgefangenschaft) erlegten den zuvor für kurze Zeit gehypten Muttertier-Frauen eine zusätzliche Bürde auf: die Trümmerfrauen waren zu einem hohe Maß für den Wiederaufbau des zerstörten Deutschlands und Österreichs verantwortlich. Diese in kurzer Abfolge als „State of the Art“ geltenden unterschiedlichen Frauenrollen waren eine Herausforderung an das weibliche Geschlecht und kognitiv schwer zu bewältigen.

Ich behaupte: in der Nachkriegszeit waren aktive, autarke Frauen für den Wiederaufbau opportun und somit geduldet. Die 68er Bewegung mischte hier die Stimmung noch zusätzlich auf. Dann wuchs eine neue Generation heran, die das Mutterbild und die Devise „hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau“ glorifizierte. Wie vielen Top-Manager halten ihre nicht nach Karriere strebenden Ehefrauen den Rücken frei? Und wie viele Männer sind selbstbewusst genug, um die Rolle eines „Herrn Merkel“ zu spielen?

Es liegt nicht nur an den Toppositionen, sondern auch an der finanziellen Ungleichbehandlung. Dazu gehören auch Bestrebungen, um das "Gender Pay Gap" in Österreich abzubauen: Der Verdienst von Frauen lag 2017 um 23% unter jenem der Männer. In Aufsichtsräten sind Frauen ebenfalls unterrepräsentiert. Österreich bildet sich im Mittelfeld (mit 20% unter dem Durchschnitt von 23%) hinter unseren südlichen Nachbarn Italien und Slowenien sowie Deutschland ab.

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Abb. 1: Frauenquoten in Europa, Quelle: AK Wien 2017, S. 5

Naja, beim Geld scheiden sich die Geister: Wenn Frau weniger verdienen, auch wenn sie in der ersten Liga spielen, könnte es da sein, dass Männer die Verteidigungslinie dicht machen? Weil sie befürchten: Frau = Konkurrentin, die dazu noch das Preisniveau hinuntertreibt?

In diesem Sinne, meine Damen:

Fordern Sie das gleiche Salär wie Ihre männlichen Kollegen.

Das sei unser guter Vorsatz für den 8. März 2018.

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